k.k. Landwehrinfanterieregiment „Wien“ Nr. 1

Die Wiener Landwehr

Das 1889 aufgestellte Landwehrinfanterieregiment „Wien“ Nr. 1 war zuletzt in Baumgarten kaserniert. Im Ersten Weltkrieg kämpfte es unter anderem in Galizien, den Karpaten und bei Luck. Seit April 1917 führte es die Bezeichnung Schützenregiment Nr. 1. Unser Verein widmet sich seiner Geschichte und der historischen Darstellung.

LIR 1 · WienLandwehrinfanterieregiment Nr. 1
ab 1917 Schützenregiment Nr. 1
Die k.k. Landwehr

Stellung innerhalb der bewaffneten Macht

Die 1869 errichtete k.k. Landwehr war die Landstreitkraft der österreichischen Reichshälfte. Neben dem gemeinsamen k.u.k. Heer und der königlich ungarischen Honvéd verfügte sie über eine eigene Organisation. Das LIR 1 gehörte zur kaiserlich-königlichen Landwehr, nicht zum gemeinsamen Heer.

Die Landwehr war zunächst vornehmlich für die Landesverteidigung vorgesehen. Mit ihrem Ausbau und der Einführung des zweijährigen Präsenzdienstes 1893 entwickelte sie sich zu einer regulären Truppe. Im Ersten Weltkrieg wurden ihre Verbände an der Front eingesetzt. Sie ist vom Landsturm und von der Landwehr der napoleonischen Zeit zu unterscheiden.

Zur Entwicklung: Tiroler Landesarchiv · Landwehr und Landesschützen.

Organisation

Gliederung und Mannschaftsstand

Zur k.k. Landwehr gehörten Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Die folgenden Angaben unterscheiden zwischen der Zahl der Regimenter und dem jährlichen Rekrutenkontingent.

37Landwehrinfanterieregimenter im Jahr 1914, darunter die für den Gebirgsdienst ausgebildeten Regimenter Nr. 4 und 27.
3Tiroler Landesschützenregimenter, die zusätzlich zur Landwehrinfanterie bestanden.
10.000Mann jährliches Rekrutenkontingent nach dem Wehrgesetz von 1889. Diese Zahl bezeichnet nicht den Gesamtstand der Landwehr von 1914.

Unterstellung des LIR 1 bei Kriegsbeginn 1914

  1. II. Korps
  2. 13. Landwehrinfanterietruppendivision
  3. 25. Landwehrinfanteriebrigade
  4. Landwehrinfanterieregiment „Wien“ Nr. 1
I.Feldbataillon
II.Feldbataillon
III.Feldbataillon

Die Landwehrinfanterieregimenter umfassten im Frieden in der Regel drei Feldbataillone, die Infanterieregimenter des gemeinsamen Heeres gewöhnlich vier. Die Bataillone waren in Kompanien gegliedert. Ersatzformationen übernahmen die Ausbildung und Ergänzung der Mannschaft.

Regimenter und Unterstellung: Austro-Hungarian Army · Austrian Landwehr Infantry Regiments. Rekrutenkontingent und Waffengattungen: k.k. Landwehr · Übersicht mit Nachweisen zum Wehrgesetz.

Aufstellung und Standort

Garnison Wien

Das Regiment wurde am 1. Mai 1889 aus den Landwehrbataillonen Wien Nr. 1, Korneuburg Nr. 2 und Znaim Nr. 18 formiert. Es war zunächst in der Siebenbrunnengasse untergebracht. Anfang 1902 bezog es die Kaiser-Franz-Joseph-Landwehrkaserne in Baumgarten.

Die Kaserne in der Hütteldorfer Straße 188 war bis zum Krieg ein Mittelpunkt des Regimentslebens. Zur Geschichte des Verbandes gehören deshalb auch der Garnisonsdienst, die Ausbildung und seine Beziehungen zur Wiener Bevölkerung.

Garnisonsdienst und Ausbildung

Dienstvorschriften, Fotografien und Erinnerungsberichte geben Auskunft über den Alltag der Mannschaft und ihrer Vorgesetzten. Sie ergänzen die Angaben zu Standorten und Feldzügen.

Mit diesen Unterlagen beschäftigen wir uns auch bei der Vorbereitung unserer historischen Darstellungen. Die Wiener Garnisonsgeschichte bildet dabei einen Schwerpunkt.

Formierung und Kasernenwechsel: Die Garnison Götzendorf · Geschichte des Schützenregiments Nr. 1, S. 4–5 der gedruckten Zählung. Garnisonsadresse: Regimentseintrag „Wien“ Nr. 1.

Regimentsgeschichte im Überblick

Feldzüge 1914–1918

Die Übersicht nennt ausgewählte Stationen seit der Aufstellung des Regiments. Eine vollständige Aufstellung der Gefechte würde den Rahmen dieser Seite überschreiten.

  1. 1889 · Aufstellung

    Formierung aus den Landwehrbataillonen Wien Nr. 1, Korneuburg Nr. 2 und Znaim Nr. 18.

  2. 1914 · Galizien

    Mobilisierung; Komarów, Rawa Ruska, Kämpfe am San und Limanowa–Łapanów.

  3. 1915 · Karpaten und Wolhynien

    Karpatenkämpfe; Vormarsch durch Galizien, Kämpfe am Bug und im Raum Olyka–Luck.

  4. 1916 · Olyka–Luck

    Russische Offensive im Juni; weitere Kämpfe im Raum Luck und Kowel.

  5. 1917 · Rumänischer und italienischer Kriegsschauplatz

    Einsatz als Schützenregiment Nr. 1; Verlegung vom rumänischen Kriegsschauplatz an den Isonzo, anschließend Vormarsch zur Piave.

  6. 1918 · Piave und Kriegsende

    Kämpfe an der Piave und am Montello; Rückzug und Heimkehr nach dem Zusammenbruch der Monarchie.

Feldzugsübersicht: Die Garnison Götzendorf · kalendarische Übersicht, S. 5–7. Die Ortsbezeichnungen folgen überwiegend dem historischen Gebrauch.

Juni 1916

Die Kämpfe bei Olyka–Luck

Am 4. Juni 1916 begann die Brussilow-Offensive. Im Raum Luck, dem heutigen Luzk in der Ukraine, durchbrachen russische Truppen die österreichisch-ungarische Front. Die Kämpfe bei Olyka–Luck und der anschließende Rückzug gehören zu den wesentlichen Abschnitten der Kriegsgeschichte des LIR 1.

Für die Darstellung des Gefechtsverlaufs sind die Stellungen der einzelnen Truppenteile, die Befehlsübermittlung und die Rückzugsbewegungen entscheidend. Berichte über Verwundete, Vermisste und Gefangene ergänzen das militärische Geschehen um die Schicksale der beteiligten Soldaten.

Die ausführliche Beschäftigung mit den Berichten zu Luck ist Teil unserer vereinsinternen historischen Arbeit. Interessierte Mitglieder können sich daran beteiligen.

Historischer Rahmen: 1914–1918-online · Warfare 1914–1918 (Russian Empire). Regimentsbezug: oben genannte Feldzugsübersicht und Vereinsunterlagen zu Olyka–Luck.

Umbenennung 1917

Das k.k. Schützenregiment Nr. 1

Am 11. April 1917 wurden die Landwehrinfanterieregimenter in Schützenregimenter umbenannt. Das LIR 1 führte fortan die Bezeichnung k.k. Schützenregiment Nr. 1. Es handelte sich um eine Umbenennung des bestehenden Verbandes, nicht um eine Neuaufstellung.

Die Bezeichnungen „Wiener Landwehr“ und „Einser Schützen“ beziehen sich somit auf dasselbe Regiment. Davon zu unterscheiden ist die bereits im Jänner 1917 erfolgte Umbenennung der Tiroler Landesschützen in Kaiserschützen.

Bezeichnungen und Daten: Austrian Landwehr Infantry Regiments 1914–1918.

Quellen zur Geschichte des Regiments

Die Regimentschronik

Die Regimentschronik überliefert Namen, Gefechtsorte und den Ablauf der Einsätze. Wie jeder Erinnerungsbericht ist sie aus der Sicht ihrer Verfasser entstanden. Für die historische Bearbeitung werden ihre Angaben mit weiteren Berichten, Karten und Dokumenten verglichen.

Zu unseren Unterlagen gehört auch die Chronik über Luck und den russischen Durchbruch. Auf dieser Website geben wir einen Überblick; die eingehende Lektüre und Besprechung der Unterlagen findet im Verein statt.

Wer sich für einzelne Gefechte, die Uniformierung oder den Dienstbetrieb interessiert, kann diese Themen bei unseren Treffen vertiefen und sich an der weiteren Bearbeitung beteiligen.

Der heutige Verein

Unsere Vereinstätigkeit

Der militärhistorische Verein k.k. Landwehrinfanterieregiment „Wien“ Nr. 1 beschäftigt sich mit der Geschichte des Regiments und seiner Zeit. Wir verbinden historische Darstellung und Ausbildung mit Gedenkveranstaltungen und der Pflege der Kameradschaft. Der heutige Verein ist vom historischen Truppenverband zu unterscheiden.

Historische Darstellung

Wir nehmen an Feldlagern und internationalen Reenactment-Veranstaltungen teil. Uniformierung, Ausrüstung und Darstellung orientieren sich an den historischen Vorbildern.

Ausbildung nach Dienstvorschriften

Bei unseren Treffen üben wir militärisches Auftreten und historische Abläufe anhand der damaligen Dienstvorschriften. Dazu gehört die Beschäftigung mit Ausrüstung und Dienstbetrieb.

Gedenken und Traditionspflege

Wir beteiligen uns an Gedenkfeiern und befassen uns mit den historischen Standorten des Regiments. Das Gedenken an Gefallene und Vermisste gehört zu unserer Vereinsarbeit.

Vereinsleben

Gemeinsame Reisen, Vorträge und der Austausch mit anderen Vereinen ergänzen unsere Veranstaltungen. Neue Mitglieder werden in die Darstellung und die dafür erforderlichen Kenntnisse eingeführt.

Der Verein ist nicht auf Gewinn ausgerichtet und verfolgt keine parteipolitischen Bestrebungen.

Weitere Angaben: Über uns · Berichte aus dem Vereinsleben. Grundlage: Vereinsstatuten und Ausbildungsunterlagen.

Mitgliedschaft

Beim LIR 1 mitwirken

Wenn du dich für die österreichisch-ungarische Militärgeschichte interessierst und an unseren Veranstaltungen teilnehmen möchtest, freuen wir uns über deine Anfrage. Vorkenntnisse im Reenactment sind nicht erforderlich; Verlässlichkeit, Interesse an der Sache und Bereitschaft zur Mitarbeit sind uns wichtig.

Du kannst dich aktiv an der Darstellung und am Vereinsleben beteiligen oder unsere Arbeit als förderndes Mitglied unterstützen. Über Voraussetzungen, Beiträge und die passende Form der Mitgliedschaft informieren wir dich persönlich. Die Aufnahme richtet sich nach den Vereinsstatuten.

Mit dem Formular stellst du ein Beitrittsansuchen. Über die Aufnahme entscheidet der Verein nach seinen Statuten.

Umfang und Quellen

Diese Seite enthält einen Überblick, keine vollständige Regimentsgeschichte. Organisationsangaben beziehen sich auf den jeweils genannten Zeitpunkt. Die verwendeten öffentlichen Nachweise sind bei den einzelnen Abschnitten verlinkt. Interne Vereinsunterlagen werden hier nicht vollständig veröffentlicht.

Angaben zu Verlusten

Verlustangaben können Gefallene, Verwundete, Vermisste und Gefangene umfassen. Zeitraum, Einheit und Zählweise müssen beim Vergleich übereinstimmen. Für das LIR 1 bei Luck werden hier mangels gesicherter Einzelbelege keine Zahlen genannt.

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